Powerplay und Kurvenhatz: Der Ford Focus Mk3 RS fährt sich wie auf Schienen

Manche Autos sind an brutaler Haltung kaum zu überbieten. Im Segment der Hothatches und Kompaktschleudern zählt der Ford Focus Mk3 RS zweifelsfrei dazu. Der erste Anblick wirkt trotz babyblauer Lackierung vielversprechend. Besonders die Heckpartie zeugt von markantem Vortrieb…

…wobei brutal nicht mit gefährlich gleichgesetzt werden sollte. Denn der neue Focus RS verhält sich im Normalo-Modus wunderbar diszipliniert. Gefühlt ist hier alles unter Kontrolle, auch ohne aktives Zutun des Steuermann. Selbst auf regennasser Fahrbahn und bei mieserablem Asphalt bleibt der Kölner erstaunlich cool und unbeeindruckt.

Ultimativen Fahrspaß findet der Ford Focus Mk3 RS nur in freier Wildbahn.

Ultimativen Fahrspaß findet der Ford Focus Mk3 RS nur in freier Wildbahn.

Allen Drift- und Entwicklungsfahrten mit Ken Block zum Trotz: Die meisten dürften den Ford Focus Mk3 RS wohl auch als Daily Car nutzen. Sein Dämpferwerk ist zwar nicht allzu sanft im Setup. Doch abgesehen von welligem Straßenbelag steckt er die alltäglichen Makel ziemlich gut weg. Bei höherem Tempo wird das Handling etwas anspruchsvoller, aber wenig spektakulär. Aufschaukeln bleibt für den Flitzer auch bei kurvenreicher Straßenführung ein Fremdwort.

Die Allzweckwaffe – oder: Das etwas andere Daily

Seine Spezialität: Die Schikane.

Seine Spezialität: Die Schikane.

Als Daily empfiehlt es sich, den Drive-Modus sowie die Dämpfer auf Normal Null zu belassen. Sofern man beim Ford Focus Mk3 RS hier noch von Komfort sprechen kann: Das wäre er dann. Das Gaspedal bleibt geschmeidig, die natürlich straffe Lenkung ermöglicht flinkes Einparken. Und sogar bösartige Bodenschwellen in 30er-Zonen steckt das Fahrwerk erstaunlich gut weg. Mehr Sanftmütigkeit muss aber auch nicht sein.

Wer mit der straffen Haltung zurecht kommt, findet im Ford Focus Mk3 RS auch ein Daily.

Wer mit der straffen Haltung zurecht kommt, findet im Ford Focus Mk3 RS auch ein Daily.

Es würde wohl kaum RS auf dem Deckel stehen, wenn die sportive Zielgruppe nicht klar definiert wäre. Als obligatorischer Fünf-Türer hat der Ford Focus Mk3 RS zwar das Zeug zum Erstwagen. Allzu komfortabel ist er dabei jedoch nicht: Die Recaro-Schalen bieten wenig seitlichen Puffer, dafür optimalen Halt. Die Handschaltung ist immer mit etwas Kraftaufwand zu bedienen, dafür äußerst präzise. Und das Vierzylinder-Feuerwerk verleitet natürlich eher zum heißen Reifen als zu Strich fünfzig.

Ford Focus RS

Auch wenn er sich im Stadtgetummel zu helfen weiß: Sein wirkliches Potenzial zeigt sich vor allem auf Landstraßen.

Sein natürliches Gehege: Die Landstraße

Schell wird klar: Echter Fahrspaß kommt mit dem RS erst in freier Wildbahn auf. Das Stadtgetummel meistert er zwar problemlos, doch eigentlich ist es ihm ein Dorn im Auge. Ergo: Raus aus den Fängen der Rush Hour!

Ein Blick auf die Fahrzeugdaten lässt manche Gesichter schon vor Neid erblassen: Ein 2.3-Liter-EcoBoost mit Allrad, 350 Pferde, 440 Nm Drehmoment ab 2.000 Touren. Dank temporärem Overboost mit 470 Nm kommt der Ford Focus Mk3 RS in 4,7 Sekunden auf Tempo 100. Verglichen mit A 45 AMG (4,2) und Audi RS 3 (4,3) sieht er im Sprint zwar wenig Land. Doch hier zählt einzig und allein der Gesamteindruck – und der macht beim Ausritt auf der Landstraße so richtig Laune!

Besonders schön, wenn man ihn von hinten sieht: Der Ford Focus Mk3 RS.

Besonders schön, wenn man ihn von hinten sieht: Der Ford Focus Mk3 RS.

Gefühlt sitzt man hier in einer reinrassigen Rennmöhre, die nur nach der nächsten Kurve lechzt. Vollgas auf der Autobahn? Langweilig. Die Vmax von 267 Km/h gibt das zwar her. Doch nimmt man dafür besser einen dicken Hubraum-Kombi mit langem Radstand. Mit ihm meistert man dagegen die Schikanen im bergischen Land, ganz ohne überflüssigen Ballast. Mit etwas über 1.500 Kg ist der Ford Focus Mk3 RS zwar kein Leichtgewicht mehr, lässt sich aber leichtfüßig und präzise durch die Hügel manövrieren.

Antrittstärke im Zwischensprint, gepaart mit einem grandiosen Sportfahrwerk und Brembo-Scheiben: Das ist echter Fahrspaß!

Antrittsstärke im Zwischensprint, gepaart mit einem grandiosen Sportfahrwerk und Brembo-Scheiben: Das ist echter Fahrspaß!

Der Schurke liebt die Schikane

Zwischensprints, die keine Wünsche offen lassen. Gänzlich ohne Turboloch spielt der Kölner hier seine Antrittsstärke aus. Radikales Beschleunigen, hartes Bremsen, scharfes Einlenken – und kurz vorm Scheitelpunkt wieder Vollgas. Auf freier Straße zeigen sich alle Trümpfe des RS: Ein kompromissloser Durchzug, der erst bei 5.000 U/Min langsam nachlässt. Ein sauber durchdachtes Fahrwerk-Setup, das über 1g Querbeschleunigung aushält. Und ein intelligender AWD samt Torque Vectoring auf der Hinterachse.

Er hat's einfach faustdick unter der Haube: Der Ford Focus Mk3 RS.

Er hat’s einfach faustdick unter der Haube: Der Ford Focus Mk3 RS.

Unter idealen Bedingungen steht ein reiner Hecktriebler zwar besser da, doch bei fiesem Dauerregen war Ford Focus Mk3 RS der klare Favorit. Zwei Differenziale arbeiten permanent an der Kräfteverteilung zwischen vorn und hinten sowie zwischen den Hinterrädern. Die maximale Dosierung des Allrad beträgt 30:70 zugunsten des Hecks, die Hinterachssperre ermöglicht sogar einen 100%-igen Sperrwert.

Bei anhaltender Kurvenhatz bekommt man seine Vorzüge am besten zu spüren: Je nach Lenkeinschlag gibt der Ford Focus Mk3 RS mehr Kraft auf’s äußere Hinterrad, was das Untersteuern verhindert. Ergo: Man kann früher wieder Gas geben und das Hothatch dennoch stabil aus der Kurve bringen. Der der RS kommt auch bei scharfem Gierwinkel erstaunlich spurstabil durch langgezogene Schikanen.

Der Ford Focus Mk3 RS kann auch härter

Die Lenkung bleibt durchweg präzise, insbesondere bei hohem Tempo. Die Dämpfer halten die Karosserie bei schnellem Lastwechsel zudem angenehm ruhig. Das grenzt beinahe an Harmonie. Nicht auszumalen wie er sich in den Serpentinen der Alpenregion geschlagen hätte…

Ford Focus RS

Doch wer mit dem Focus RS näher an die physische Grenze des Möglichen gehen will, bedient sich einfach der weiteren Fahrmodi. Nebst Normal-Betrieb bieten die Stufen Sport, Track und Drift ein verschärftes Fahrerlebnis für: AWD, ESC, Lenkung, Gaspedal und Motorsound. Die Dämpfer können separat in zwei Stufen konfiguriert werden. Auf ebener Fahrbahn und abgesperrter Strecke birgt der Ford Focus Mk3 RS hier phänomenales Spaßpotenzial. Im Alltag sollten die Modi jedoch mit etwas Vorsicht genossen werden.

Tuning für das Sportfahrwerk möglich

Bereits beim härteren Dämpfersetup mit gleichzeitigem Sport-Modus liegt deutlich mehr Kontrolle beim Fahrer. Auf regennasser und kurviger Fahrbahn resultiert das gerne mal in späterem Eingreifen des ESC – und einem leichten Schreck des Übersteuerns. Wer dagegen sorgenfrei aber rasant unterwegs sein will: Im Normal-Modus rennt der RS wie auf Schienen. Kein Versatz, kein Zucken, kein Schlupf – dafür kernig im Klang und tadellos im Handling.

Wem der Grenzbereich so noch nicht genügt, kann sich für den Ford Focus Mk3 RS natürlich weitere Abhilfe holen – beispielsweise von KW automotive. Mit dem Gewindefahrwerk Variante 3 lassen sich Zug- und Druckstufe sowie auch die Highspeed-Druckstufe unabhängig voneinander per Klicks einstellen. Höhere Druckstufen bewirken vorn eine präzisere Lenkung, hinten verhindern sie frühzeitiges Übersteuern. Zudem ermöglicht KW mit der V3 eine Tieferlegung der Karosserie um bis zu 50 (vorn) bzw. 55 Millimeter hinten.

Tiefer um bis zu 50 mm: Mit dem KW Variante 3-Fahrwerk für den Ford Focus Mk3 RS.

Tiefer um bis zu 50 mm: Mit dem KW Variante 3-Fahrwerk für den Ford Focus Mk3 RS.

Das Gesamtpaket des Ford Focus Mk3 RS stimmt einfach

Ein paar Schattenseiten bringt aber leider auch der Ford Focus Mk3 RS mit sich. Dem guten und straffen Halt der Recaro-Sportsitze steht eine fehlende Höhenverstellung gegenüber. Als 1,90 m-Person kommt einem der Dachhimmel da schon mal etwas näher als erhofft. Und wer auf die Instrumententafel schaut, wird als verwöhnter VW-Jünger doch etwas überfordert. Ein verhältnismäßig kleines Tachodisplay bringt eindeutig zu viele Informationen unter. Der Spaßfaktor weiß das aber zu kompensieren.

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Insgesamt schnüren die Kölner mit dem Ford Focus Mk3 RS ein attraktives Gesamtpaket. Bereits ab 40.000 Euro bekommt man ein ordentlich verarbeitetes Mobil, das zwar weniger den Komfort aber umso mehr den Fahrspaß im Auge hat. Der gegenüber dem Ford Mustang modifizierte 2.3-Liter-EcoBoost macht hier wunschlos glücklich. Seine Spurlage ist durchweg exzellent. Und die Auffälligkeit wird obendrein garantiert – besonders im quirligen Babyblau.

Bei der deutschen Premium-Konkurrenz legt man für eine vergleichbare Konstellation gerne mal 10.000 Euro drauf…

>>Technische Daten

Hersteller: Ford
Modell: Focus RS (Mk3)
Leistung: 350 PS / 440 Nm (470 Nm mit Overboost)
Antrieb: Allrad (AWD) mit Hinterachsdifferenzial (Torque Vectoring)10
0-100 Km/h: 4,7 Sekunden

Vmax: 267 Km/h

Fotocredit: Ford Media / KW automotive

Unser Hauptautor und Chefredakteur. Hat eine Schwäche für Hothatches, Audi RS-Modelle und sonstige V8-Boliden. Privat bleibt er bislang der Marke VW treu.

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