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Angefahren: Seat Leon Cupra 280 als SPORTEC SR 350

5. Dezember 2014
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Erst ist die spanische Verkörperung des Golf R, der Seat Leon Cupra. Mit selbigem TSI-Triebwerk aus dem Hause VW ausgestattet, bringt der Südländer stolze 280 PS sowie 350 Nm Drehmoment auf die Vorderräder. Soviel Leistung auf einer Achse ist nicht immer gesund für einen zackigen Vortrieb, dafür kann sich der Leon als Spritsparer gegenüber seinem Konzernbruder betrachten, der gerne mal zwei Liter mehr je 100 Km in seinen 4MOTION investiert. Um die Grenzbelastung noch etwas auszuweiten, stellt der Schweizer Tuner mit seinem SPORTEC SR 350 zusätzliche Pferde für den Spanier bereit. Wir durften das Frontriebler-Hothatch vor Ort testen…

Zuviel Kraft für zu wenig Antriebsräder?

Reichlich Kraft auf der Vorderachse: Der SPORTEC SR 350

Reichlich Kraft auf der Vorderachse: Der SPORTEC SR 350

Der SPORTEC SR 350 hat das gleiche Problem wie viele seiner Artgenossen: Er muss über 300 Pferde auf einer Achse unterbringen, die auch noch mitlenken soll – der klassische Fall eines Fronttrieblers. Auch wenn der Antrieb über die hinteren Räder bekanntermaßen dynamischer ausfällt, bietet sich vorn grundsätzlich besserer Grip aufgrund der höheren Achsbelastung. Um dem Leon in den Kurven einen zusätzlichen Assistenten neben ESP und Anti-Schlupfregelung (ASR) zur Seite zu stellen, gibt es vom Hersteller eine serienmäßige Differenzialsperre. Der entscheidende Vorteil: Das entlastete der beiden Räder wird nur geringfügig mit Momenten angesprochen, das belastbare Rad hingegen mit deutlich höheren (ganz entgegen der üblichen Funktionalität von Ausgleichsgetrieben).

Spaß in jeglichen Fahrsituationen: Der SPORTEC SR 350 ist flexibel

Spaß in jeglichen Fahrsituationen: Der SPORTEC SR 350 ist flexibel

Was jedoch in Kurven ein bekanntes Untersteuern zu verhindern weiß, hilft auf der langen Geraden weniger. Beim klassischen Antritt auf der Autobahnauffahrt hat der SPORTEC SR 350 ordentlich mit der nassen Fahrbahn zu kämpfen, seine vom Tuner bestätigten 340 PS und 440 Nm maximales Drehmoment überfordern die ASR-Funktion leider etwas. Dieser unschöne Effekt lässt sich mit einem leicht sensibleren Gasfuß aber problemlos kompensieren, schließlich deuten die für den Kavalierstart veranschlagten 5,5 Sekunden (0,2 weniger als die Serie) auf eine hinreichende Beschleunigung auch außerhalb des Grenzbereichs. Einmal auf die rechte Spur eingeschert, surrt der SPORTEC SR 350 geschmeidig aber auch sehr zügig davon.

Die Leistung des SPORTEC SR 350 düpiert den Klang

Frontpartie mit markantem Schriftzug: Der SPORTEC SR 350 grenzt sich klar von der Serie ab

Frontpartie mit markantem Schriftzug: Der SPORTEC SR 350 grenzt sich klar von der Serie ab

So geschmeidig wie er zwar vorwärts galoppiert, so mangelt es dem SPORTEC SR 350 doch an kernigem Vierzylinder-Turbo-Sound. Einerseits spricht das für eine schalldämmende Innenverkleidung, andererseits faucht am Heck aber nichts zu uns herüber. Selbst bei treibender Drehzahl, die bis 5.500 U/Min das volle Drehmoment mitzieht, verhält sich der spanische Kompakte verhältnismäßig ruhig – ein Pluspunkt für die sportiv gelaunten Langstreckenfahrer. Bis Tempo 260 soll der SPORTEC SR 350 durchhalten (was die schweizerische Polizei allerdings weniger gern sieht), zugleich gestaltet sich sein gemessener Verbrauch im Test durchaus sparsam: Kombiniert zwischen Stadt, Land und Autobahn spuckt uns der Bordcomputer einen Wert von 7,2 Litern aus – das ist gerade mal ein Liter mehr als die Cupra-Herstellerangabe.

Video: Seat Leon Cupra 280 Vs. VW Golf R

Gelungene Farbkontraste aus Weiß, Schwarz und Rot zeichnen für das Exterieur verantwortlich

Gelungene Farbkontraste aus Weiß, Schwarz und Rot zeichnen für das Exterieur verantwortlich

Seine Leistung schöpft der SPORTEC SR 350 indes aus dem 2.0-TSI-Aggregat samt nachträglichem Chiptuning der Schweizer. Ein Sportluftflter sowie eine SPORTEC-Abgasanlage mit optionaler Downpipe und Sport-Kat-Rohrführung sorgen für zusätzlichen Feinschliff, für die Kurvenhetzer gibt es auch ein Bilstein B16 PSS10-Fahrwerk mit der Option auf Verstellung in Höhe (10 bis 40 Millieter) und Dämpfkraft (10-fach). Der richtige Look am SPORTEC SR 350 kommt jedoch erst durch die exotische Wahl der Leichtmetallräder zum Tragen: Auffällig rote 19-Zoll-Individual-Felgen stehen satt in den Radhäusern des ehemaligen Leons, zudem bieten sie einen willkommenen Kontrast zur schneeweißen Lackierung.

Er ist was er verspricht: Ein ehrgeiziger Kurvenjäger

Was äußerlich schon gut aussieht, schlägt meist erst am Steuer in spürbaren Fahrspaß um – so auch bei unserem Test. Wer das Manko mit der Traktion bei Regen einmal außen vor lässt, wird im SPORTEC SR 350 traumhafte Ausflüge durch die gebirgigen Landschaften der Schweiz erleben. Enge Serpentinen sind dem Kompaktsportler ebenso willkommen wie genügsames Cruisen durch urbane Zonen. Das Fahrwerk ist sehr sportlich abgestimmt, für schnelle Richtungswechsel in den Bergen nahezu perfekt, jedoch bei Unebenheiten im Stadtgebiet etwas zu direkt und reaktiv. Stets darf man sich bei zügigem Beschleunigen auf trockenem Untergrund auch über die vordere Differenzialsperre freuen, die schnelle wie auch starke Lastwechsel zwischen linker und rechter Spur gekonnt kaschiert (oder besser gesagt: kompensiert).

Was beim serienmäßigen Seat Leon Cupra R mit seinen 280 Pferdchen schon reichlich Freude bereitet, wird vom SPORTEC SR 350 noch einmal gekonnt ausgebaut. Den Spagat zwischen alltäglichem Federungskomfort und sportlicher Haltung meistert er ebenso flexibel wie das gute Raumangebot und vor allem den moderaten Verbrauch. Trotz des Klischee-bedingten Benzinerdursts bleibt der SR 350 genügsam bis sparsam, was sich je nach Laune des Fahrers aber hin und wieder auch mal nach oben korrigieren kann…

Fotocredit: P. Lehmann

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