Volkswagen Studie Golf GTE Sport

VW Golf GTE Sport: Taugt die Allrad-Carbon-Studie als GTI-Vision?

29. Mai 2015
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So ganz genau wissen wir zwar nicht, was der VW-Konzern mit dieser ultimativen Sportstudie vorhat. Dennoch lässt sich an dieser Stelle schon eine Lanze für den VW Golf GTE Sport brechen: Das Konzept ist technisch gut durchdacht und als sportlicher Zweisitzer durchaus tragfähig. Fraglich bleibt, wer wird künftig so viele Scheine für einen Carbonflitzer aus Wolfsburg hinlegen wird.

Volkswagen Studie Golf GTE Sport

Ein hybrider und dynamischer Vortrieb

Das Antriebskonzept scheint nicht ganz unüberlegt: Vorn verbrennt ein 1.6-Liter-TSI weiter Kraftstoff, während im DSG-Gehäuse und an der Hinterachse je ein Elektromotor ihr Werk verrichten. Der hoch-aufgeladene Vierzylinder stammt aus der Rallyeversion des VW Polo R WRC und geht mit 299 PS sowie 400 Nm Drehmoment voraus. Der am Direktschaltgetriebe platzierte E-Motor steuert mit seinen 85 kW weitere 330 Nm zum Geschehen hinzu, fungiert jedoch hauptsächlich als Energiequelle für seinen hinteren Gegenpart, welcher mit 270 Nm etwas weniger Kraft aufbringen muss. Eine Lithium-Ionen-Batterie dient hier sowohl als Quelle wie auch zum Auffangen der Bremsrekuperation.

Flügeltüren ahoi: Der VW Golf GTE Sport ist schon als Studie ein Hingucker.

Flügeltüren ahoi: Der VW Golf GTE Sport ist schon als Studie ein Hingucker.

Im systematischen Verbund, liefert der VW Golf GTE Sport somit maximal 400 PS und bis zu 670 Nm Drehmoment an seine vier Räder. Die Dosierung und Verteilung vorhandener Kräfte bestimmt sich dabei maßgeblich durch den vom Fahrer gewählten Modus. Im sogenannten E-Mode lassen sich bis zu 50 Km rein elektrisch abwickeln, bevor der Akku wieder gespeist werden muss. Vorrangig ist der E-Motor der Hinterachse gefragt, sodass es sich beinahe um einen Hecktriebler handeln könnte. Nach Bedarf wird vom vorn verankerten Generator über die elektrische Kardanwelle am Geschehen mitgewirkt und eine weitere Energiequelle angezapft. Sobald man die Batterie erschöpft hat, springt der TSI-Motor mit ein und versetzt die Studie so in den Hybrid-Mode.

Die Motorenkonstellation des VW Golf GTE Sport ist gut durchdacht.

Die Motorenkonstellation des VW Golf GTE Sport ist gut durchdacht.

Nun arbeiten Verbrennungs- und Elektromotor im Einklang bzw. Wechsel. Ist die Batterie wieder geladen, kann erneut in den E-Mode gewechselt und auf unnötige Emissionen verzichtet werden. Der TSI ist zwar maßgeblich für das Wiederaufladen verantwortlich, per Rekuperation (wenn der Fahrer vom Gas geht oder bremst) lassen sich beide E-Motoren aber auch als Generatoren umfunktionieren, die die zurückgewonnene Energie ebenfalls an die Batterie weiterreichen. Bei ausreichendem Ladezustand, kann der VW Golf GTE Sport ebenfalls segeln: Alle Motoren legen ihre Arbeit nieder, sobald keine Energie aufgebracht werden muss. Ferner kann der Fahrer auch die Einstellungen Battery Hold oder Battery Charge nutzen, um das Verhalten der Motoren mit zu beeinflussen.

Video: VW Golf GTE Sport auf dem GTI-Treffen am Wörthersee

Volle Kraft voraus im GTE-Modus

Wer es hingegen auf die sportliche Tour abgesehen hat (und dazu kann man beim Anblick dieses VW Golf GTE Sport eigentlich nur raten), ist mit dem GTE-Mode natürlich bestens bedient. Per Schalter in der Dachkonsole legt man eben diesen um und veranlasst alle Triebwerke zur Bereitschaft: Der TSI-Motor arbeitet im Frontantrieb, gleichzeitig schiebt der hintere E-Motor den Golf der Neuzeit von hinten an – wohlgemerkt mit Boostoption durch den vorderen E-Motor. Unter Volllast treibt es die Carbonflunder so binnen 4,3 Sekunden auf Tempo 100 (Allrad macht’s möglich), als Topspeed gibt Volkswagen bislang stolze 280 Km/h bekannt. Unter der Prämisse des ausreichenden Energiehaushalts, soll man so auch den niedrigen einstelligen Verbrauch von gut zwei Litern (nach NEFZ-Testzyklus) halten können.

Volkswagen Studie Golf GTE Sport
Was die Technik vormacht, setzt die Optik natürlich weiter fort: So futuristisch durfte bislang noch kein Golfianer anmuten, geschweige denn in einem beinahe vollständigen Carbonkleid die Bühne betreten. Die aerodynamische Front mit deutlich modernisierter Lichtgestaltung und Spoilerelementen greift den Gedanken des Windschnitts unmittelbar auf. Fliegen kann der VW Golf GTE Sport so zwar nicht, aber immerhin gehen seine zwei Türen flügelartig auf. Das Schöne daran: Durch ihre großzügigen Aussparungen, können Fahrer und Beifahrer bequemer denn je ihre Sportsitze einnehmen. Von einem derart geformten Coupé erwartet man solchen Komfort eher weniger, umso deutlicher versucht Volkswagen daher hiermit die Brücke zwischen Alltag und Rennstrecke zu schlagen.

Volkswagen Studie Golf GTE Sport

Motorsport-Interieur im VW Golf GTE Sport

Wirft man einen Blick nach innen, geht es ähnlich futuristisch weiter: Das Cockpit gleicht einem Rennsimulator, das Lenkrad macht dabei keine Ausnahme und auch die tief eingelassenen Schalensitze lassen einen so schnell nicht mehr entkommen. Also ein motorsportliches Erlebnis, gepaart mit Fünf-Punkt-Sicherheitsgurten, noch mehr Carbon und einem dreistufigen Digitaldisplay? Die Zeichen stehen augenscheinlich mehr auf Zukunft denn je, vom balancierten Fahrwerkssystem und den breiten Rädern (235/35 R20 vorn und 275/30 R20 hinten) mal ganz abgesehen. Etwas seltsam mutet allerdings das verknautschte Heckteil des VW Golf GTE Sport an, das entfernt an einen Kofferraumzugang erinnern darf. Als Wegweiser für künftige GTI-Versionen macht er zwar einiges richtig, aber längst noch nicht alles.

Volkswagen Studie Golf GTE Sport

Wäre die Optik nicht so sehr gestaucht, würde der prunkvolle Auftritt die bisher als Kompaktwagen (dem VW Golf GTE) realisierten Formen genial aufgreifen. Bisweilen jedoch übt man sich bei den Wolfsburgern zu sehr in hypermodernem Design, das wird nicht jedem schmecken. Dennoch lässt sich dem VW Golf GTE Sport ein geniales Konzept attestieren, das nach mehr schreit.

Fotocredit: Volkswagen

Unser Hauptautor und Chefredakteur. Hat eine Schwäche für Hothatches, Audi RS-Modelle und sonstige V8-Boliden. Privat bleibt er bislang der Marke VW treu.

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