BMW X1 vs. VW Tiguan – wer macht jetzt das Rennen?

11. Dezember 2010
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Sie bekleiden derzeit die Einstiegsklasse in der SUV-Sparte: Der VW Tiguan, der im letzten Jahr unangefochten seine Fahrer begeistern konnte, hat kürzlich Konkurrenz in seiner Klasse bekommen. Mit dem BMW X1 wollen die Bayern ordentlich Kunden abgreifen und auch für das schmale Portemonnaie ein brauchbares Gefährt anbieten. Beide Modelle – BMW X1 wie VW Tiguan – sind prinzipiell gut aufgestellt und profitieren vom starken Forschungsrückhalt ihrer Konzerne, doch beim näheren Blick fallen Details der feinen Unterschiede auf. Nebst der längeren Bestehenszeit kann der VW Tiguan vorweg schon mal in Sachen Winterwetter punkten: Der Frontantrieb des Volkswagens macht sich im Schnee meistens besser als der sportliche Hinterradschieber.

Das äußere Erscheinen beider SUV-Modelle wirkt per se kompakt, aber nicht zurückhaltend. Die Skala der Eleganz dürfte hier eher beim BMW X1 höher liegen, seine formschönen Züge der Außenschale kann dem VW Tiguan, der eher schlicht und etwas unscheinbarer auftritt, problemlos das Wasser reichen. Hier hat es sich für BMW bezahlt gemacht, etwas länger am smarten SUV namens BMW X1 zu forschen und werkeln. Die einem klassischen SUV nachempfundenen Karosserieproportionen wiegen beim BMW X1 und VW Tiguan etwa gleich auf, in Maßen der Länge und Breite trennen die beiden Flitzer nur wenige Millimeter voneinander. Anders jedoch bei der Höhe: Hier wurde der VW Tiguan deutlich höher gebockt – damit hat er die Nase nicht unbedingt vorn, aber immerhin schon mal oben. Markante 14 Zentimeter liegen zwischen ihnen, der Volkswagen verspricht sich hiervon etwas mehr Weitsicht und Überblick für den Fahrer. Hingegen der Bayer möchte smarter wirken und zieht der vermeintlich höheren Funktionalität das elegante Design vor.

Ein Blick in den Innenraum des VW Tiguan bestätigt den Verdacht, man sitzt definitiv etwas höher – quasi SUV-typisch – und hat somit deutlich bessere Übersicht auf den vorlaufenden Verkehr. Der BMW X1 sieht sich hier eher als hochgelegter knackiger PKW-Kombi, der einen schwungvollen Ton vorgibt, in der Umsichtigkeit aber deutlich hinter dem VW Tiguan liegt. Insbesondere eine schmale Heckscheibe und breite C-Säule machen das Einparken ohne Assistent sehr umständlich, der Ausblick durch den Innenspiegel ist ebenso getrübt. Dafür überzeugt ganz klar die Anordnung der Interieur- und Armaturelemente: Hier gibt sich keiner von beiden die Blöße, die Ergonomie erfüllt sowohl im BMW X1 wie auch im VW Tiguan höchsten Qualitätsanspruch. Ein Vorzeigebeispiel ist und bleibt aber der VW Tiguan, insbesondere bei der hochwertigen Verarbeitung des Interieurs. Hier hat sich BMW zwar auch weitestgehend angenähert, allerdings besitzt der BMW X1 eine etwas mäßig verarbeitete und kratzempfindliche Mittelkonsole. Leider verliert er auch in Sachen Stauvolumen: Der VW Tiguan schafft bei umgeklappter Sitzbank über 1.500 Liter Platz im Kofferraum, zudem ist die Rücksitzbank längs verschiebbar um die Ladefläche zu variieren.

Wo beim VW Tiguan der Komfort überwiegt, siegt im BMW X1 klar die sportlichere Ader. Ein etwas verspielteres und weniger gemütsames Fahrverhalten kann schnell zum sportlichen Gasfuß verleiten, bringt aber eine straffere Spurlage und mehr Agilität in den Kurven mit sich. Die Lenkung des BMW X1 ist äußerst präzise abgestimmt, zügige Richtungswechsel meistert der Bayer ohne zu mucken. Der VW Tiguan dagegen zeigt sich eher gelassener in seiner Gangart, hier überwiegt erneut der Fahrkomfort in Sachen Fahrwerksdynamik und Dämpfungsverhalten. Wer zügig aber geschmeidig geradeaus will und nicht unbedingt jede Bodenwelle sportlich aufnehmen möchte, wird beim VW Tiguan definitiv glücklich. Für die knackige Landstraßenfahrt durch Serpentinen mit sportlich betontem Antrieb eignet sich eher der BMX X1, nicht zuletzt aufgrund seines niedrigeren Schwerpunktes und der etwas geringeren Bodenfreiheit. Dank beiderseits verfügbarer Allradmodule lassen sich sowohl BMX X1 wie auch der VW Tiguan problemlos auch in verschneiten Bergregionen oder auf der Offroadebene fahren. Hier beweist der VW Tiguan wiederum das nötige Quäntchen Vorsprung: Die Track & Field-Funktion bietet das richtige Fahrprogramm für den rutschigen Untergrund. Zudem ist bei höherer Schneelage die zusätzliche Bodenfreiheit des VW Tiguan nicht unbedeutend.

Die eigentlich entscheidende Disziplin beider Modelle steht allerdings noch aus: Motorleistung! Hier kann sich BMW zwar durch reichlich Performance behaupten, nicht unbedingt aber beim Kraftstoffverbrauch. Der von BMW veranschlagte macht zwar mächtig auf Understatement, entpuppt sich im Praxistest (laut Focus Online) aber als deutlich höher einzustufen. Die Motorenpalette ist dennoch beachtlich, zumindest in der Leistungsabstufung. Hier stehen dem BMW X1-Kunden insgesamt drei Benziner (150 bis 258 PS) und drei Dieselvarianten (143 bis 204 PS) zur Auswahl. Der BMW X1 sDrive18i fährt mit einem Zweiliter-Benziner, der 150 PS und 200 Newtonmeter leistet. Die nächst höhere Benzinergeneration arbeitet bereits mit Sechszylindermotoren, hier stehen der xDrive25i (218 PS, 277 Nm) und xDrive28i (258 PS, 310 Nm) jeweils als 3.0-Aggregat mit Allradantrieb zur Verfügung. Für die Dieselpalette langt dem BMW X1 ein einziger 2-Liter-Vierzylinder, der als sDrive18d bzw. xDrive18d (143 PS, 320 Nm), sDrive20d bzw. xDrive20d (177 PS, 350 Nm) oder sogar als xDrive23d (204 PS, 400 Nm) arbeitet. Alle Dieselmodelle des BMW X1 arbeiten konsequent mit Common-Rail-Direkteinspritzung. Bis auf die beiden Sechszylinder-Benziner hat man die Wahl zwischen Automatikgetriebe und Manualschaltung, besagte jedoch fahren nur mit automatischen Getriebe. Die Leistungsdaten hingegen können sich beim BMW X1 durchaus sehen lassen, der xDrive28i schafft es in nur 6,8 Sekunden auf Tempo 100 und soll sich laut BMW mit 9,4 Litern Superbenzin begnügen. Auch das Topmodell der Dieselbaureihe, der xDrive23d, braucht nur 7,3 Sekunden für den Sprint auf 100 Km/h und soll mit 6 Litern Diesel auskommen.

Der VW Tiguan zeigt sich im Vergleich etwas zahmer, seine Motoren beschränken sich alle auf die Vierzylinder-Baureihen. Als Einstiegsmodell gibt es den VW Tiguan mit dem 1.4 TSI-Aggregat, welches wahlweise 122 PS oder gleich 150 PS leistet, letzterer optional auch als 4Motion-Antrieb. Etwas mehr Power bieten hingegen die 2.0-TSI-Maschinen, hier stehen 170 PS und 200 PS Motorleistung zur Debatte. Beide arbeiten hier mit 4Motion-Antrieb und sind wahlweise auch mit dem DSG erhältlich. Der Verbrauch des 2.0 TSI bewegt sich zwischen 8,5 und 9,9 Litern Super, die Endgeschwindigkeit reicht beim Topbenzinermodell bis auf 210 Km/h. Auch für Dieselfans wird beim VW Tiguan gesorgt, hier sind gleich drei Leistungsstufen auf Basis des 2.0 TDI DPF erhältlich: Eine 110 PS-Version mit 280 Nm, den Klassiker mit 140 PS und 320 Nm sowie das Topmodell des 2.0 TDI mit 170 PS und 350 Newtonmeter Drehmoment. Letzerer benötigt lediglich 8,9 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100, der BMW X1 20d mit seinen 177 PS schafft den Spurt in nur 8,5 Sekunden. Der Verbrauch beider Modelle wiegt nahezu gleich auf für die 170 bzw. 177 PS-Dieselklasse, der VW Tiguan mit seinen 6,3 Litern liegt leicht über dem Durchschnitt des BMW X1 von 5,9 Litern.

Obgleich es für den Wolfsburger und den Bayer auch kleinere Maschinen gibt, eignet sich aufgrund der Fahrzeuggröße und des mit der SUV-ähnlichen Form verbundenen Luftwiderstandes die obere Vierzylinder-Dieselreihe. Hier sind beide Fahrzeuge mit einem 2-Liter-Turbodiesel ausgestattet und stellen bei Bedarf die entsprechende Motorleistung zur Verfügung. Besonders am Anstieg und generell in bergigen Regionen eignen sich Dieselmotoren aufgrund des besseren Drehmoments meist besser. Hier lässt sich zudem ein guter Preisvergleich zwischen dem VW Tiguan und dem BMW X1 ziehen: Obwohl beide die höherwertigen Segmente ansteuern und sich behaupten wollen, liegen bereits beim Einstiegspreis Differenzen vor. Der VW Tiguan mit dem 2.0 TDI und 177 PS Motorisierung kostet in der Basisausstattung 31.900 Euro, und liegt damit 2.500 Euro unter dem BMW X1 xDrive20d mit 34.400 Euro. Für weitere 4.400 Euro gibt es den BMW X1 sogar als xDrive23d mit starken 204 PS.

Die reihe der zusätzlichen Ausstattungsmodule kennt nahezu keine Grenzen, der VW Tiguan geht je nach Wunsch auch bis auf 43.000 Euro im Preis hoch, wenn Panoramadach, 18″-Alufelgen und ein Navigationssystem an Board sein sollen. Der BMW X1 hingegen knackt sogar die Grenze von 50.000 Euro, was im Vergleich zum nächst höheren Modell eines BMW X3 sehr teuer ausfällt. Besonders auffällig auch an dieser Stelle: Trotz relativ gleicher Bauform und Tragekonstruktion liegt der BMW X1 preislich deutlich unter seiner Karosseriebasis des BMW 3er, bei identischer Motorisierung schnell mal 4.000 Euro mehr für sich verlangt.

Die Kaufentscheidung für den VW Tiguan oder BMW X1 fällt nicht leicht, beide haben ihre Vorzüge, Raffinessen und auch Schwächen. Wer lieber zügig und elegant unterwegs ist, dürfte sich eher in Bayern nach einem neuen Kompakt-SUV umsehen. Wem eher die schlichte, gediegene und genügsame Art des Fahrens liegt, der kann mit dem VW Tiguan eine durchaus solide und preisleistungsbewusste Basis finden.

Unser Hauptautor und Chefredakteur. Hat eine Schwäche für Hothatches, Audi RS-Modelle und sonstige V8-Boliden. Privat bleibt er bislang der Marke VW treu.

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