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Angefahren: Kia cee’d GT Track ist ein Kurvenjäger

21. November 2014
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Ganze zwei Wochen durfte unsere Redaktion mit diesem wundervollen Hothatch teilen: Der Kia cee’d GT Track hat sich als treuer Wegbegleiter mit Potenzial zum Fahrspaß erwiesen, der im Gegenzug auch etwas Restkomfort erlaubt. Warum ein Golf GTI nicht immer die bessere Wahl sein muss und was Kia von VW noch lernen kann, haben wir in diesem “Angefahren”-Artikel verarbeitet.

Die Ankunft in Deluxeweiss Metallic: Der Kia cee’d GT Track

Prachtstück in weiß: Der Kia cee'd GT Track in der Testfarbe

Prachtstück in weiß: Der Kia cee’d GT Track in der Testfarbe

Mit gemischten Gefühlen traten wir vor die Tür, als unser neuer Testkandidat seine Ankunft bekundet hatte. Aus Foto- und Videomaterialien war er uns hinreichend bekannt, dennoch bisweilen kein Mal auf öffentlichen Straßen begegnet. Warum eigentlich nicht? Der macht doch ordentlich was her…oder etwa doch nicht? Egal, es war zu spät für Kompromissgedanken, der Gast auf vier Rädern wollte schließlich redaktionell begrüßt werden. Und siehe da: Die Zweifel am echten Erscheinungsbild waren von nun auf gleich passé, der Kia cee’d GT Track präsentierte sich im besten seiner insgesamt vier Anzüge. Mit seiner deluxe-weissen Metallic-Lackierung traf der Testkandidat voll und ganz unseren Geschmack, die Kombination aus heller Basisfarbe, getöntem Scheibenwerk sowie roter GT-Linie am Frontspoiler gibt sich rundum harmonisch.

Lang gezogene Xenonlichter verleihen dem Kia cee'd GT Track neue Dynamik

Lang gezogene Xenonlichter verleihen dem Kia cee’d GT Track neue Dynamik

Die Xenonscheinwerfer mit dynamischem Kurvenlicht, GT-Tagfahrlichtsports aus LEDs und eine Sportabgasanlage machen den Kia cee’d GT Track auf Anhieb zu einem heißgeliebten Kompaktsportler – in der Challenge-Ausführung hätte wir uns mit weniger zufrieden geben müssen. Lediglich ein Panorama-Glasdach fehlte dem Gefährt noch zur Vollausstattung, wir lenken unseren Blick aber sowieso lieber auf den bevorstehenden Kurvenverlauf. Beim Einstieg kommt ein promptes Gefühl des Wohlbefindens auf, die Recaro-Sportsitze mit lederbezogenen Wangen geben gleichermaßen Halt und Bequemlichkeit. Die Landschaft an Knöpfen auf dem Lenkrad des Kia cee’d GT Track überfordert auf den ersten Blick, erweist sich im Nachgang jedoch als leichte Übung. Der durchaus praktische Start-Stopp-Button zu unserer Rechten funktioniert als zweistufige Zündung, zuweilen kein Kupplungs- und Bremspedal zeitgleich betätigt wird – für Ungeduldige lässt sich der gierige Vierzylinder-Turbo natürlich auch direkt zum Leben erwecken.

Smarter Vierzylinder mit TwinScroll-Turbo im Kia cee’d GT Track

Klein, aber oho: Aus dem 1.6-Liter-Turbo werden im Kia cee'd GT Track 204 PS geholt

Klein, aber oho: Aus dem 1.6-Liter-Turbo werden im Kia cee’d GT Track 204 PS geholt

Die durchaus wertige Verarbeitung im Innenraum überzeugt auf voller Linie, rote Ziernähte auf schwarzem respektive anthrazit-farbigem Dekor lehnen sich gelungen an die Optik des Exterieurs an. Das große Navigationsdisplay ist gut erreichbar, eine leichte Neigung zum Fahrersitz hin hätte jedoch seinen Reiz gehabt. Das Leder-Lenkrad liegt gut in der Hand und bietet mit griffigen Wölbungen auch bei schneller Kurvenhatz sicheren Halt. Motor an, erster Gang rein – und los geht der Fahrspaß im Kia cee’d GT Track: Sein 1.6-Liter T-GDI kann zwar weniger mit Hubraum punkten, die zweistufige Aufladung soll es jedoch zu 204 PS sowie 265 Nm Drehmoment ab 1.750 U/Min bringen. Geschmeidig bewegen sich die gut 1.4oo Kg gemäßigt durch Stadtverkehr, seichtes Beschleunigen scheint dem auf der Nordschleife abgestimmten Kia cee’d GT Track wohl ebenso zu gefallen wie der “Track” selbst – doch Gemach, der Öldruck im Turbolader will erst einmal Betriebslevel erreichen.

Griffig und kontrollstark: Das Sportlenkrad des Kia cee'd GT Track

Griffig und kontrollstark: Das Sportlenkrad des Kia cee’d GT Track

Genug der vorbildlichen Zurückhaltung, geht es für den Kia cee’d GT Track aufs Land und um die Dörfer. Hier macht sich erstmalig das spontane Ansprechen des Gaspedals bemerkbar, welches einem Turboloch fast die Show stielt. Aus niederen Drehzahlen heraus ist besonders der zweite Gang ein gelobter Kandidat, ein leichtes Zerren an der Vorderachse kann sich der Koreaner allerdings nicht ganz verkneifen. Sonores Donnern dringt vom Sportauspuff zu uns in den Innenraum durch, der sonst sehr gut gegen äußere Akustik gedämmt zu sein scheint. Die spritzige Laune des Turboladers lässt sich indes auch auf dem digitalen Tacho ablesen, ein Druck auf den GT-Lenkradknopf wechselt vom analogen zum digitalen Modus inklusive Anzeige für den Ladedruck und das aufstrebende Drehmoment.

Der Kia cee’d GT Track und sein Fahrwerk bitten zur Kurvenhatz

Sportiv ausgelegtes Räderwerk: Die 18-Zöller und sein Cup-Fahrwerk im Zusammenspiel

Sportiv ausgelegtes Räderwerk: Die 18-Zöller und sein GT-Fahrwerk im Zusammenspiel

Aus einer Seitenstraße einmündend, schnellt unser Kia cee’d GT Track in unter 8 Sekunden auf Tempo 100. Reizt man die Gänge entsprechend aus, macht sich zwischenzeitlich auch der Drehmoment-Overboost bis 300 Nm bemerkbar (den wir uns gerne permanent gewünscht hätten). Seine 225/40 R18-Sportreifen krallen sich gekonnt in den Asphalt, die innen liegenden grauen 18-Zoll-GT-Räder machen gemeinsam mit den rot lackierten Bremssätteln zeitgleich eine äußerst gute Figur. Der Fahrspaß kennt kaum Grenzen: Wenn es ums Überholen geht, fühlt sich der Kia cee’d GT Track zur Meisterprüfung berufen und zieht nahezu unbeeindruckt am Vordermann vorbei. Die Kombination aus angeschrägtem Scheinwerferdesign, Xenon-Linsen und den großen Lufteinlässen – links wie rechts mit Vierpunkt-Lichtspots versehen – machen ihn zu einem gern gesehenen Gast auf der linken Spur.

Display im GT-Modus: Der Kia cee'd GT Track kann auch auf Angeber machen

Display im GT-Modus: Der Kia cee’d GT Track kann auch auf Angeber machen

Doch Topspeed soll erstmal nicht die Krux im Testlauf unseres Kia cee’d GT Track werden, spontanes Anfordern der Gangelastizität ist weithin ausschlaggebender. Die kurvigen Landstraßen im Münsterland verleibt sich der Kompaktsportler ebenso gekonnt ein wie zurückgelassene Corsa-Fahrer, spontanes Ein- sowie ein dezentes Gegenlenken auf Bedarf zählen klar zu seinen Stärken. Die Wankbewegungen werden von den GT-Dämpfern indes hinreichend kompensiert, sodass auch beim Slalom weder Aufschaukeln noch Kontrollverlust drohen. Ebenso stramm wie der Kia cee’d GT Track uns durch die westfälische Wildnis führt, nimmt er es bei kleinen Unebenheiten leider etwas zu genau: Reste der landwirtschaftlichen Ernte, aufstrebende Baumwurzeln, Frostschäden des letzten Winters – sie alle lassen die Federn des Koreaner nicht gerade unpräzise reagieren, was nahezu unverändert an die Insassen weitergereicht wird.

Leichtfüßigkeit und Restkomfort beleben die Langstreckenfahrt

Ganz dem Fahrer gewidmet: Im Kia cee'd GT Track gibt es sechs manuelle Gänge

Ganz dem Fahrer gewidmet: Im Kia cee’d GT Track gibt es sechs manuelle Gänge

Der Kia cee’d GT Track gibt sich in jeglicher Fahrsituation überraschend leichtgängig: Kein zähes Beschleunigen, kein Trägheitsgefühl beim Einlenken in Kurven, keine Quälerei am Anstieg – er kuscht stets auf Kommando des Fahrers. Das Kupplungspedal sitzt straff, der Schleifpunkt ist deutlich spürbar und das Gaspedal verhält sich nicht allzu sensibel. Insgesamt also der perfekte Alltagssportler? Von den kleinen Unwuchten des Asphalts einmal abgesehen, steht dem Kia cee’d GT Track zu dieser Auszeichnung kaum etwas im Wege. Besonders gut gefällt uns auch das präzise Bremspedal, welches mit etwas mehr Druck aber weniger Pedalweg bedient werden darf. Die Schaltung verhält sich gleichermaßen präzise und griffig, aber keineswegs schwergängig. Die Lenkung wird mit zunehmendem Tempo straffer, zum Einparken dagegen butterweich. Nun war es an der Zeit, auch die Langstreckentauglichkeit des Kia cee’d GT Track unter die Lupe zu nehmen.

Ein Freund der kurvigen Landstraße: Lenkpräzision und geringes Eintauchen sind seine Stärken

Ein Freund der kurvigen Landstraße: Lenkpräzision und geringes Eintauchen sind seine Stärken

Einer längeren Reise auf der Autobahn scheint der Kia ebenso offen gegenüber zu stehen wie der Kurvenjagd auf dem Land. Der Radstand scheint ausreichend, um selbst bei Tempo 180 Ruhe in die Längsdynamik zu bringen. Seine Spritzigkeit verliert er auch zwischen 150 und 200 Km/h nicht, ein Herunterschalten aus dem sechsten Gang ist kaum notwendig. Hohes Kurventempo macht dem Kia cee’d GT Track prinzipiell wenig aus, soweit die Straße nur feucht ist – bei seichtem Regen hingegen ist ab der 200er-Marke Zurückhaltung geboten, was in Anbetracht der 225er-Reifenbreite aber kein Beinbruch darstellt. Lenkung und Sportfahrwerk spielen aber auch jenseits dieses Tempolevels noch freudig mit und führen den Koreaner sportlich über die linke Spur. Jedoch machen sich mit zunehmender Geschwindigkeit auch leichte Bodenwellen unschön auf dem Fahrersitz bemerkbar.

Entertainment und Fahrerassistenz sind ausbaufähig

Tempomat auf Knopfdruck: Auch für Langstrecken eignet sich der Kia cee'd GT Track

Tempomat auf Knopfdruck: Auch für Langstrecken eignet sich der Kia cee’d GT Track

Wem gute 800 Kilometer Distanz bevorstehen, der sollte es sich etwas gemütlicher im Kia cee’d GT Track machen. Ein USB-Stick mit der Wochenend-Playlist an Board, eine Trinkflasche in den Halterung der Mittelkonsole und ein aktivierter Tempomat sind indes gute Wegbegleiter. Die Mittelarmlehne lässt sich bequem nach vorne schieben, um die schaltende Hand zwischenzeitlich pausieren lassen zu können. Der Tempomat lässt sich einfach einstellen und auch über das Lenkrad verstellen, falls die Beine ermüden. Wer es im Kia cee’d GT Track auf gute Beschallung abgesehen hat, wird ebenso wenig enttäuscht: Das Klangerlebnis ist vollmundig und auf Wunsch moderat basslastig. Mit dem richtigen Beat im Ohr, lädt dies geradezu zum Wechsel auf die linke Spur ein.

Großes Display mit leichten Einbußen in der Sichtbarkeit für den Fahrer

Großes Display mit leichten Einbußen in der Sichtbarkeit für den Fahrer

Und da wäre sie auch schon, die übliche Challenge zwischen Mann und Navigationssystem: Von möglichen Stausituationen einmal abgesehen, liegt der Ansporn nicht selten nahe, die vom Navi prognostizierte Ankunftszeit zu unterbieten – somit ein weiterer Garant für Fahrspaß im Kia cee’d GT Track. Seine tiefgezogene Karosserie mit roter Spoilerlippe vorn und die ebenso tiefe Heckschürze schrecken Konkurrenten gerne davon ab, sich dem bissigen Koreaner in den Weg zu stellen. Ein zuschaltbarer Spurassistent achtet derweil behutsam auf den “gewollten” Spurwechsel, reagiert aber lediglich durch einen Alarmton und keineswegs durch dezentes Gegenlenken. Wer beim Bediensystem den Unterschied zwischen Tour und Route nach mehreren Versuchen endlich verstanden hat, wird auch mit der Navigation erfolgreich ans Ziel kommen – wenngleich die Kartendarstellung etwas altmodisch wirkt.

Einparkhilfe: Wer seinen Nacken schonen möchte, bekommt im Kia cee'd GT Track eine Rückfahrkamera zur Seite gestellt

Einparkhilfe: Wer seinen Nacken schonen möchte, bekommt im Kia cee’d GT Track eine Rückfahrkamera zur Seite gestellt

Eine Einbindung der Wegweisung in das Hauptdisplay des Kia cee’d GT Track fehlt indes gänzlich, sodass ohne leitende Stimme häufig ein Blick auf die Mittelkonsole notwendig wird, die wiederum symmetrisch verankert und daher etwas unbequem bei Tempo 180 zu ersehen ist. In die laufende Musik schaltet sich die nette ortskundige Frauenstimme sanft dazwischen, bei höherer Lautstärke setzt die Musik allerdings etwas abrupt wieder ein und kann nach längerer Durchsage etwas erschreckend wirken. Hat aber vielleicht auch sein Gutes, sie erzwingt unweigerlich die Aufmerksamkeit des Fahrers – ein guter Zeitpunkt, erfolgreich den Topspeed des Kia cee’d GT Track von (zumindest angezeigten) 232 Km/h einzufordern.

Fazit mit schwerem Abschied des Kia cee’d GT Track

Aller Abschied ist schwer: Zwei Woche wurde der Kia cee'd GT Track auf Herz und Nieren geprüft

Aller Abschied ist schwer: Zwei Woche wurde der Kia cee’d GT Track auf Herz und Nieren geprüft

Ja, es war eine sehr schöne Zeit mit Dir, oh du geliebter Kia cee’d GT Track. Für einen Gesamtpreis von 28.720 Euro könnte die Testkonfiguration unser Eigen werden. Egal ob Stadt, Land oder Autobahn – der Fahrspaß wurde kaum getrübt, stets war man mit ihm flink und sicher unterwegs. Leichte Tendenzen zum (provozierten) Untersteuern verzeihen wir dem frontgetriebenen Kia cee’d GT Track gerne, eine optionale Differenzialsperre würde ihm bei nächstem Generationswechsel sicher gut stehen. Lediglich der etwas höhere Spritverbrauch stieß uns gelegentlich sauer auf: Auch bei genügsamer Überlandfahrt sowie stetigen 120 Km/h auf der Autobahn kamen wir selten unter einen Durchschnitt von 8 Litern, bei gleichbleibendem Tempo von 160 bis 180 blieb die Nadel kaum unter 11 Litern.

Das wäre auch das einzige Manko, wo man den Kia cee’d GT Track gerne am Platzhirsch VW Golf GTI misst. Mit 85 Nm mehr an Drehmoment (die bei einem leicht größeren Motor berechtigt sind), aber dennoch geringerem Verbrauch, muss der Koreaner hier leider einen leichten Punktabzug in Kauf nehmen. Wer lediglich Fahrspaß sucht, ist im Kia cee’d GT Track zwar bestens bedient. Wer dagegen auch Pendlerfahrten unternimmt und nicht ohnehin beim Diesel bleiben will, bekommt auch sparsamere Alternativen am Markt. Mit Blick auf das Verhältnis von Preis und Leistung, ist der Kia aber beinahe mit Vollausstattung zu bekommen (29.620 Euro), wo der GTI gerade einmal beginnt (28.675 Euro).

Fotocredit: Kia / Tuning-Stories.de

Unser Hauptautor und Chefredakteur. Hat eine Schwäche für Hothatches, Audi RS-Modelle und sonstige V8-Boliden. Privat bleibt er bislang der Marke VW treu.

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